Alkoholkonsumverhalten von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen


  • Tendenz sich z.B. ohne Grund "vollständig“ zu betrinken
  • Biermixgetränke der große Renner
  • Das Ausgehverhalten junger Menschen heute hat mit dem vergangener Tage so viel gemeinsam wie ein aktuelles Trend-Auto mit einem 32 PS-Käfer.
Tabelle zum Spirituosenverbrauch (Quelle: ifo-Institut)

Veränderungen:
Im gesellschaftlichen Leben lässt sich feststellen, dass in der Bevölkerung bewusster mit dem Thema Alkohol umgegangen wird. Es ist heutzutage ohne Diskussion möglich bei einem geselligen Abend zu sagen, dass man keinen Alkohol trinken möchte. Früher wäre zumindest versucht worden, einem ein "Gläschen in Ehren“ aufzudrängen. Die Menschen sind im Umgang mit Suchtstoffen bewusster geworden. Dies mussten auch Brauereien und Schnapsbrenner feststellen. Sie klagen seit Jahren über zurückgehende Umsätze.

Im Gegensatz hierzu ist bei den Jugendlichen und Heranwachsenden aktuell die deutliche Tendenz zum Alkohol festzustellen und sich z.B. ohne Grund "vollständig“ zu betrinken. Die Jugend orientiert sich hier insbesondere an den IN-Getränken, die durch die Gruppe und/oder die Verpackung definiert werden.

Die Alkoholindustrie hat mit neuen Produkten und einem immensen Marketingaufwand von 511 Millionen € im Jahr 2006  diesen Trend unterstützt. Bei den teils äußerst exotischen Mischungen tritt bei diesen modernen Getränken der Alkoholgeschmack in den Hintergrund. Durch eine zusätzliche Süße wird der Geschmack gefälliger. Das Getränk "….spricht dadurch die Zielgruppe an, die im Biergarten bisher Cola oder Limonade getrunken hat…..“ (Originalzitat Brauereikonzern Inbev für Becks‘ Gold). Nachdem Alkopops durch ein Gesetz fast vom Markt verdrängt wurden, sind im Moment insbesondere Biermix-Getränke der große Renner.

Besonders hervorzuheben sind derzeit die Spirituosen-Sparte Wodka, die jährliche Zuwachsraten von 10 % bei der Anzahl der verkauften Flaschen zu verzeichnen hat und der Kräuterlikör Jägermeister, den seine Kunden in die Rangliste der 10 weltweit am meisten verkauften Spirituosen getrunken haben.

Durch den Boom, den PREMIX-Getränke mit ausgelöst haben, sehr jung mit dem Alkoholkonsum zu beginnen, wurde erreicht, dass bereits Jugendliche über den üblichen Genuss hinaus konsumieren. Dies ist zumindest bei Heranwachsenden weit verbreitet. In England hat man hierfür den Begriff Binge-Drinking geschaffen. Hierbei handelt es sich um eine kurzfristige und exzessive Alkoholaufnahme. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) geht davon aus, dass dies gegeben ist, wenn fünf Drinks in einem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang konsumiert werden. Der statistisch erste Rausch findet im Leben eines Jugendlichen mit durchschnittlich 13,8 Jahren statt (DHS). 

Leider spielt diese Art von Konsum - nur mit dem Ziel des Rausches - auch bei uns in den Jugend-Cliquen eine große Rolle. Besonders interessant ist, dass auch die als negativ empfundenen Begleiterscheinungen des Vollrausches wie z.B. Übergeben oder im Extremfall eben der Krankenhausbesuch heute eher ein "Ritterschlag“ als eine Schande sind.

Junge Menschen wollen erwachsen werden und sich dennoch von den "richtigen Erwachsenen“ unterscheiden. Dies gilt auch für das Konsumverhalten. Alkohol wird konsumiert und seine Wirkungsweise häufig exzessiv ausgetestet. Wichtig ist ihnen aber dabei, andere Getränke als die "richtigen Erwachsenen“ zu konsumieren. Die Industrie bietet inzwischen eine imposante Alkohol-Produktpalette an, die mit einem großen Marketing-Aufwand beworben wird und den jungen Menschen suggeriert, dass der Eintritt in die Erwachsenenwelt durch Alkohol als Beschleunigungs- und Unterstützungsfaktor leichter fällt.

Suchtgefahren

Diese Trends haben dazu geführt, dass die Suchtproblematik bei jungen Menschen sehr stark zugenommen hat. Recherchen in den Krankenhäusern der Region und bei den Rettungsdiensten des Ostalbkreises haben ein erschreckendes Problemfeld aufgezeigt. Die Probleme sind jedoch nicht nur lokal festzustellen, sondern fallen jedem aufmerksamen Zeitungsleser regelmäßig auch im überregionalen Teil auf.

Vielfach hat sich dieses Konsumverhalten vom Alkohol auf illegale Drogen übertragen. Insbesondere der Cannabiskonsum hat bei unseren Jugendlichen stark zugenommen. Die DHS schreibt hierzu: “Cannabis ist nicht in; Cannabis ist Alltag!“

Die Probleme hierbei sind:

  • die (vermeintliche) Akzeptanz durch die Gesellschaft
  • die hohen Wirkstoffkonzentrationen moderner Pflanzen und
  • die positiven Cannabis-Mythen, die unauslöschbar in die Diskussion eingebracht sind (Gesundheit, Unschädlichkeit).

Freizeitverhalten allgemein

Das Ausgehverhalten junger Menschen heute hat mit dem vergangener Tage so viel gemeinsam wie ein aktuelles Trend-Auto mit einem 32 PS-Käfer. Gerade für Erwachsene ist es wichtig zu wissen, dass es deutliche Unterschiede zu "damals“ gibt. Viele professionelle und semi-professionelle Veranstaltungen konkurrieren an jedem Wochenende um Besucher. Da liegt es natürlich nahe, dass aktuelle Trends aufgegriffen und in die Veranstaltung eingebaut werden.

Da Alkohol im Trend ist, darf er nirgends fehlen. Häufig werden zudem auch sog. Themen-Parties wie Coyote-ugly, Studio 54, Pulleralarm, etc., durchgeführt. Hier geht es darum, möglichst  viele Besucher mit günstigem Alkoholkonsum oder stark sexualisierten Inhalten anzulocken (am besten beides).

Gerade bei Vereinen ist es sehr verwunderlich, dass sie auf diese Veranstaltungskonzepte zurückgreifen. Haben sie doch meist Jugendarbeit auf ihre Fahnen geschrieben. Junge Menschen organisieren sich heute stark über Internetplattformen, bei denen Veranstaltungen angekündigt  und am Folgetag bereits mit Fotoalbum beschrieben werden.

Tödlicher Verkehrsunfall unter Alkohol nach Disco-Besuch

Durch die beschriebenen Werbemöglichkeiten wird erreicht, dass Viele über weite Strecken ein regelrechtes Disco-hopping durchführen. Meist sind dies Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren. Sie sind die größte Problemgruppe im Straßenverkehr. Ihr Bevölkerungsanteil ist ca. 8 %, sie verursachen aber 23 % aller schweren Verkehrsunfälle.

Ursachen hierfür sind meist mangelnde Fahrpraxis, Selbstüberschätzung und Drogen- / Alkoholkonsum.
Gerade Alkohol enthemmt und fördert dadurch zu hohe Geschwindigkeiten. Alkohol verhindert aber gleichzeitig, dass auf Ereignisse im Straßenverkehr richtig und rechtzeitig reagiert werden kann.

Jugendschutz

Die Polizei und ihre Partner beobachten zudem mit Sorge, dass der Jugendschutz bei vielen Discos nicht eingehalten wird. Sie empfiehlt deshalb gestaffelt altersentsprechende Veranstaltungskonzepte umzusetzen und insbesondere alkoholfreie Alternativen zu bewerben.

Weitere Informationen:

www.dhs.de
www.bleib-klar.de
www.bzga.de
www.ostalbkreis.de

Beratungsstellen in den Kliniken des Ostalbkreises:

Presseartikel zum Thema:

Einen entsprechenden Presseartikel aus der Schwäbischen Post finden Sie hier.
Jeder dritte Jugendliche betrinkt sich einmal monatlich. Mehr erfahren Sie hier.

Veränderung des Alkoholkonsums

Quellenangabe: Autor: Thomas Maile, Verkehrserzieher - Polizeidirektion Aalen