Immunsystem

Gut gewappnet durch Herbst und Winter

durchatmen in sonnig-milder Herbstluft – ein schöner Traum, der sich leider nur selten erfüllt. Das hier zu Lande am Jahresende übliche nasskalte Schmuddelwetter bietet dagegen Traumbedingungen für Krankheitserreger:

Doch unser Körper gibt sich nicht kampflos geschlagen. Mit einem ganzen Arsenal von Tricks verwehrt das Immunsystem den meisten Unbefugten den Zutritt, und diesen Sperrriegel kann der Mensch mit einigen Maßnahmen sogar noch verstärken. Nachdenken, Sauerstoff aufnehmen, Blut pumpen, Blut reinigen, verdauen: Für die meisten Abläufe im menschlichen Körper sind einzelne Organe oder kleine Gruppen von Organen zuständig. An der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt sich jedoch ein ganzes Netzwerk von Körperstrukturen wie das Knochenmark, die Lymphknoten, das Blut oder die Milz. Dieses leistungsstarke Geflecht verschiedenster Schutzmechanismen durchzieht alle Körperbereiche, und über Blutgefäße und Lymphbahnen erreichen Immunzellen selbst abgelegenste Regionen.

Mechanische und chemische Barrieren:

damit Eindringlinge möglichst gar nicht erst ins Körperinnere gelangen, warten an sämtlichen Ein- und Ausgängen Hindernisse. Oft sind sie mechanischer Natur, wie die Nasenschleimhaut mit ihren Flimmerhärchen. An ihr bleiben Fremdkörper kleben, die mit der Atemluft in die Nase hineinströmen. Die Flimmerhärchen sorgen dann mit ihrer konstanten Bewegung Richtung Rachen dafür, dass der Schleim mit den anhaftenden Partikeln abtransportiert wird. Bei stärkeren Reizen beschleunigt Niesen den Rauswurf noch. Auch in der Harnröhre müssen Krankheitserreger gegen einen ständigen Strom anschwimmen, was ihnen meist nicht gelingt. In der Tränenflüssigkeit oder im Speichel befinden sich dagegen chemische Wächter. Diese Flüssigkeiten enthalten Substanzen, die ähnlich wie Antibiotika wirken, also Bakterien abtöten. Auch die Haut und die Vaginalschleimhaut bedienen sich der chemischen Verteidigung. Sie sind stets von einem leicht sauren Überzug umgeben, der für krank machende Bakterien, Viren und Pilze so ungemütlich ist, dass sie sich nur schwer ansiedeln können.

Abwehrzellen merken sich alle Angreifer:

Trotz dieser äußeren Barriere schaffen es doch immer wieder Erreger, bis ins Körperinnere vorzustoßen. Meist ist ihr Triumph nur von kurzer Dauer, denn im Innern spürt das Immunsystem sie sehr schnell auf. Spezialisierte Abwehrzellen, die ständig im Blut patrouillieren, merken sich das Aussehen jedes Keims, mit dem sie schon einmal in Berührung kamen. Sie erkennen die Kandidaten und vernichten sie. Dabei dient ihnen die äußere Hülle der Erreger als unverwechselbares Merkmal – quasi wie ein Fingerabdruck. Schutzimpfungen nutzen dieses Prinzip: Erreger oder sogar nur Bestandteile ihrer Hülle werden in abgeschwächter Form verabreicht, so dass sie das Immunsystem für spätere Kontakte auf den Index nehmen kann. Bei der Vielfalt der Krankheitserreger, die obendrein auch noch häufig ihr Aussehen ändern, kann das Immunsystem aber nicht alle identifizieren. So kommt es dann doch bisweilen zu einer Infektion: Die Erreger vermehren sich in Körperzellen, und der Betroffene fühlt sich krank. Die Beschwerden werden jedoch nicht allein von den Erregern verursacht, ein Teil davon geht auch auf das Konto körpereigener Abwehrhandlungen. Wenn das Immunsystem eine Infektion bemerkt, leitet es sofort Gegenmaßnahmen ein. Es erhöht beispielsweise die Körpertemperatur, um die Vermehrung der Eindringlinge zu erschweren. Von der Höhe des Fiebers hängt ab, wie stark der Kranke geschwächt wird.

Moderner Lebenswandel schwächt den Körper:

Damit es möglichst selten zu einer Infektion kommt, muss das Immunsystem an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr hellwach sein. Ein aktiver junger Erwachsener dürfte kaum Probleme mit der Infektabwehr haben. Anders sieht es oft bei älteren Menschen oder Berufstätigen aus, die viel sitzen und nur wenig Zeit und Gelegenheit haben, an die frische Luft zu kommen. Der Lebenswandel, den die heutige Gesellschaft vielfach fordert, ist Gift für die Widerstandskraft: Stress im Beruf, wenig Schlaf, schnelles Essen, zu fette Speisen, Diäten, Alkoholgenuss und Rauchen machen auf lange Sicht infektanfällig und somit krank. Wer seinem Körper auch bei schlechtem Wetter regelmäßig Bewegung und Tageslicht gönnt, wird schon bald feststellen, dass Erkältungen seltener werden. Sportmediziner empfehlen, dreimal pro Woche leichten Ausdauersport zu treiben, zum Beispiel Schwimmen, Jogging oder Walking. Eine gute halbe Stunde am Stück reicht dafür schon. Und wer es genau wissen will, trainiert mit einem Pulsmesser. Der Herzschlag sollte etwa bei 180 Schlägen minus dem Lebensalter liegen. Für einen 55-Jährigen wären das also 125 Herzschläge pro Minute. Bei diesem Tempo kann man sich auch noch gut mit einem Sportpartner unterhalten.