Diabetes - Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Charakteristisch für Diabetes mellitus, im Volksmund Zuckerkrankheit genannt, ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Das heißt, der Zucker aus der Nahrung kann nicht in die Körperzellen gelangen und in Energie umgewandelt werden.
Ursächlich für die Stoffwechselstörung ist entweder eine unzureichende Produktion des Insulinhormons in der Bauchspeicheldrüse oder eine ungenügende Wirksamkeit von Insulin (sog. Insulinresistenz). Im Wesentlichen gibt es zwei Formen des Leidens: den Diabetes Typ 1 und den Diabetes Typ 2. Heute ist es möglich, mit Diabetes gut zu leben und damit alt zu werden. Trotzdem ist die Krankheit nicht harmlos, denn Stoffwechselentgleisungen können zu Spätschäden führen.


Diabetes: Krankheit mit Geschichte
Diabetes ist keine neue Krankheit. Bereits die alten Ägypter litten darunter, wie Papyrusrollen beweisen. Heute sind weltweit über 250 Millionen Menschen davon betroffen, in Deutschland allein mehr als fünf Millionen (geschätzte Zahl: 7-8 Millionen bei hoher Dunkelziffer). Diabetes ist damit eine der häufigsten Stoffwechselerkran-kungen. Die Erkrankungszahlen steigen weltweit als Folge von Übergewicht, falscher Ernährung und Bewegungsmangel an. Immer mehr jüngere Menschen sind betroffen.

Diabetes –Typ 1
Beim Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine komplexe Störung des Immunsystems, in dessen Folge die insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zugrunde gehen. Der Körper kann also Insulin selbst nicht mehr herstellen, sodass es ein Leben lang zugeführt werden muss. Bei der Entstehung spielt die Vererbung der Anlage zum Diabetes Typ 1 eine wichtige Rolle. Als Auslöser werden Virusinfekte diskutiert. Der Diabetes Typ 1 kann in jedem Alter auftreten, manifestiert sich aber meist vor dem 35. Lebensjahr. Daher wurde er früher auch als "Juveniler Diabetes“ bezeichnet. Insgesamt sind nur 5% aller Diabetiker dem Typ 1 zugehörig. Die Entwicklung zum Typ-1-Diabetes verläuft in der Regel rasch mit dem möglichen Auftreten von folgenden Symptomen: starkes Durstgefühl, Harndrang bzw. häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme, Heißhunger, Leistungsminderung, Schwitzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Sehstörungen, Hauterscheinungen.

Diabetes –Typ 2
Beim Diabetiker Typ 2 ist das Insulin nicht mehr so wirksam. Der Blutzucker kann nur unzureichend, wenn überhaupt noch, aus dem Blut in die Zellen transportiert werden. Auch beim Diabetes Typ 2 spielt bei der Entstehung die Vererbung eine wichtige Rolle. Ob es trotz Veranlagung dann tatsächlich zur Erkrankung kommt, hängt wesentlich von anderen Faktoren wie der Ernährungs- und Lebensweise ab. Entscheidend ist das Körpergewicht. Bereits ein normales Körpergewicht und viel Bewegung können ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken, so dass auf zusätzliche blutzuckersenkende Medikamente (in Tablettenform) oder eine Insulingabe verzichtet werden kann. Circa 90% aller Diabetiker leiden am Typ-2-Diabetes. Meist tritt er nach dem 40. Lebensjahr in Erscheinung und ist dann oft mit Übergewicht, Bluthochdruck und einer Fettstoffwechselstörung vergesellschaftet. Dabei handelt es sich dann um das sog. "Metabolische Syndrom“. Die Entwicklung des Typ-2-diabetes ist meist schleichend und oft unbemerkt. Da bei langzeitigem Verlauf mit Folgeschäden gerechnet werden muss, ist eine frühe Diagnosestellung erforderlich, um z. B. durch diätetische Maßnahmen oder medikamentöse Behandlungsmaßnahmen dem entgegenwirken zu können.

Schwangerschaftsdiabetes
Bei 2-12% aller Schwangeren kommt es zu einer behandlungsbedürftigen Erhöhung des Blutzuckers als Folge der hormonellen Umstellung während der Schwangerschaft. Der Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, verläuft meist symptomarm ohne die typischen Diabetessymptome wie starkes Durstgefühl und Harndrang. Er kann durch Suchtests erkannt werden. Nach Diagnosestellung ist eine straffe Stoffwechseleinstellung notwendig, um gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind zu minimieren. Nach der Schwangerschaft normalisiert sich in der Regel der Zuckerstoffwechsel. Die Betroffenen Frauen haben aber ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 im späteren Lebensalter.

Diabetische Folgeschäden
Durch den erhhöhten Zuckergehalt im Blut kommt es zu Ablagerungen an den Gefäßwänden, wodurch die Blutgefäße starr und brüchig werden, ihre elastische Funktionsweise verlieren und eingeengt werden. Dies führt zu Durchblutungsstörungen in verschiedenen Organen und zu deren Minderversorung mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen. Hinzu kommt, dass viele Diabetiker gleichzeitig an erhöhtem Blutdruck leiden, wodurch die Blutgefäße zusätzlich "druckgeschädigt“ werden. Am Herz besteht die Gefahr durch die Einengung der Herzkranzgefäße und dem Ablösen von Plaques (Wandanhaftungen) einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks dringend erforderlich. Durchblutungsstörungen im Gehirn (mit erhöhtem Risiko für einen Gefäßverschluß) können zu einem Schlaganfall führen. Schädigungen der kleinsten Blutgefäße in den Nieren führen zu verminderter Filterleistung der Nieren. Bei langem Verlauf können die Nieren so weit geschädigt werden, dass eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) erforderlich ist. Eine frühes Zeichen einer Nierenschädigung ist die Ausscheidung eines speziellen Eiweiß im Urin (Albumin). Dies kann vom Arzt in regelmäßigen Abständen untersucht werden. An den Augen kann als Folge einer Netzhautschädigung eine verminderte Sehleistung möglich sein. Empfohlen wird Diabetikern daher eine jährliche augenärztliche Untersuchung. Durch die Schädigung kleinster Blutgefäße werden auch Nerven durch die diabetische Erkrankung geschädigt (diabetische Neuropathie). Dies kann sich durch eine verminderte Schmerzempfindlichkeit, durch Gefühlsstörungen wie Brennen, Kribbeln oder stechende Schmerzen an der Haut zeigen. Durch die verminderte Schmerzwahrnehmung können somit Schäden insbesondere an den Füßen durch Druckstellen oder andere Verletzungen entstehen. Offene Wunden zeigen dabei eine schlechte Heilungstendenz. Beim Fortschreiten bis zum Gewebeunter-gang sind teilweise Amputationen unumgänglich. Diabetiker sollten daher regelmäßig ihre Füße auf Verletzungen untersuchen, eine gute Fußpflege betreiben und bequemes Schuhwerk tragen. Wichtig auch schnelles Erkennen und Behandeln von Fuß- oder Nagelpilz. Beeinträchtigungen können sich auch am sog. autonomen Nervensystem einstellen: dieses ist für die "nervöse Versorgung“ der inneren Organe verantwortlich. Beispielsweise können die Muskelfunktionen der Magen- und Darmwände gestört sein, wodurch die Verdauung beeinträchtigt werden kann. Ebenso sind Potenzstörungen als Folge des Nerven- und Gefäßschadens möglich.

Entscheidend für den Krankheitsverlauf ist die Qualität der Blutzuckereinstellung! Die Verbesserung der Stoffwechsellage ist für alle Folgeerkrankungen die wichtigste Vorbeugung und Behandlung. Heute gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten (z.B. regelmäßige Selbstkontrollen des Blutzuckers, Diabetesschulung, Ernährungsberatung, Mitbehandlung weiterer Risikofaktoren).

Ernährungs-Tipps – nicht nur für Diabetiker
Eine spezielle Diabetikerdiät und diätetische Produkte, wie sie die Lebensmittelindustrie anbietet, sind für Diabetiker überflüssig. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Zuckerkranker wahllos alles in beliebigen Mengen essen sollte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Diabetikern eine gesunde und vollwertige Ernährung. Zehn Regeln sind dabei zu beachten. Sie gelten im Übrigen für alle, die sich gesund ernähren möchten.
  • Vielseitig – aber nicht zu viel
  • Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
  • Würzig, aber nicht salzig
  • Wenig Süßes
  • Viel Vollkornprodukte
  • Reichlich Gemüse, Kartoffeln und Obst
  • Wenig tierisches Eiweiß
  • Trinken mit Verstand
  • Öfters kleine Mahlzeiten
  • Schmackhaft und schonend zubereiten

    Infos aus dem Internet
    Das Diabetes-Forum ist eine wertvolle Hilfe für alle, die mehr über Diabetes wissen wollen. Hier findet man aktuelle Veranstaltungen zum Thema Diabetes, Selbsthilfegruppen, ein Verzeichnis spezialisierter Ärzte, eine Liste mit Behandlungszentren für Kinder. Wer will, kann seine Erfahrungen weitergeben, etwa zum Thema Diabetes und Partnerschaft, oder Diabetes und Augen. Es gibt Live-Chats, Stellenanzeigen und das Neueste aus Forschung und Wissenschaft.
    Die Plattform der Apotheken bietet gute Informationen auf ihren so genannten Diabetiker-Seiten an. Hier finden sich aktuelle Themen und Informationen rund um das Leben mit Diabetes.

    Die Deutsche Gesellschaft für Diabetes befasst sich mit Erforschung und Behandlung der Krankheit. In fast allen Bundesländern gibt es regionale Diabetesgesellschaften. Die Deutsche Diabetes-Stiftung hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Bevölkerung über Diabetes zu informieren, Diabetiker und diabetische Fachkräfte zu schulen.