Der Arzt untersucht via Handy

Telemedizin spart Kosten und hilft bei Ärztemangel

Die Forschungsabteilung Telemedizin der Universität Greifswald arbeitet an einem Projekt, in dem 100 Herzpatienten unter Kontrolle eines neuartigem Systems
stehen: Täglich werden Blutdruck und Gewicht an die Klinik gE-Mailt und dort ausgewertet. Damit sollen angesichts eines um sich greifenden Ärztemangels - in den nächsten zehn Jahren fehlen bis zu 25 000 Hausärzte - und in Zeiten knapper Kassen Personal und Geld gespart werden. Für die wenigen Ärzte, die im kommenden Jahrzehnt noch die Versorgung des ländlichen Raums aufrecht erhalten sollen, steht mit der sogenannten Telemedizin eine Innovation zur Verfügung,
die es erlaubt, einen Teil ärztlicher Arbeit auf Pflegekräfte zu übertragen.
Dr. Peter Wirsing ist Chefarzt der Sektion Phlebologie, Proktologie, Chronische Wunden am Ostalb-Klinikum und des WundZentrums Ostalb.
Doch nicht nur Herzkranken wird so geholfen, telemedizinische Projekte gibt es
auch im Bereich Schlaganfall sowie bei Erkrankungen der Organe und der Psyche. "Bei allen technischen Möglichkeiten muss sich die Medizin der Zukunft
jedoch nach wie vor zwischen Menschen abspielen“, stellt Dr. Peter Wirsing vom
"WundZentrum Ostalb“ klar. "Telekonsultation chronische Wunde“ "Telemedizin ersetzt nicht den Arzt, sie ergänzt ihn", meint der Chefarzt der Sektion Phlebologie, Proktologie, Chronische Wunden am Ostalb-Klinikum.


Er selbst gehört inzwischen zu den Pionieren in Sachen Telemedizin. Bereits vor Jahren nutzte er die digitale Telekommunikationstechnik in der Behandlung chronischer Wunden. Das Prinzip: Eine Krankenschwester fotografiert mit der Handykamera die offene Wunde eines Patienten und mailt das Bild an Dr. Wirsing, der am Monitor die Wunde beurteilt und via Internet oder Telefon der Schwester vor Ort Behandlungsanweisungen gibt. Aus den Anfängen ist mittlerweile die sogenannte "Telekonsultation chronische Wunde“ geworden. Das Projekt wird mit Unterstützung des Ministeriums für Ernährung und ländlichen Raum und des Ministeriums für Arbeit- und Soziales des Landes Baden-Württemberg sowie des Ostalbkreises am Ostalb-Klinikum Aalen durchgeführt.

Projekthintergrund sind die demografische Entwicklung, die Häufigkeit chronischer Wunden bei älteren Menschen, steigende Behandlungskosten und die schwieriger werdende Versorgung von Patienten im ländlichen Raum aufgrund des
auch auf der Ostalb spürbaren Hausärztemangels.

Optimale Wundbehandlung

Der technische Ablauf hat sich den heutigen digitalen Möglichkeiten angepasst, wobei nach wie vor der ambulante Pflegedienst eine Aufnahme von der Wunde macht, die dann per Handy-UMTS an einen Internet Server versandt wird. Dieser benachrichtigt automatisch das Wundzentrum. Der Arzt macht seinen Befund
über Internet und erstellt einen individuellen Therapievorschlag. Per Fax erhält der zuständige Hausarzt das Ergebnis, gleichzeitig wird an den ambulanten
Pflegedienst der Behandlungsvorschlag per EMail weitergegeben. "Innerhalb kürzester Zeit und unabhängig vom Wohnort des Patienten ermöglichen wir so eine optimale Wundbehandlung“, erläutert Chefarzt Wirsing. Damit garantiere die Telemedizin eine häusliche Wundbetreuung auf medizinisch höchstem Niveau, sichere eine rasche Wundheilung und steigere die Lebensqualität betroffener Menschen.

Telemedizin bald Teil der Regelversorgung

Bei erfolgreichem Abschluss und Auswertung des Projektes, konzipiert ist es auf drei Jahre und läuft also 2012 aus, bedeutet die Telekonsultation gerade bei
Ärztemangel eine Arbeitserleichterung, insbesondere für niedergelassene Ärzte. Durch die digitalgestützte Erstellung eines Befundes gewinnen die Ärzte ein Mehr an Diagnosesicherheit, zumal sie automatisch noch die Zweitmeinung
eines Wundspezialisten erhalten. Dass damit unter Umständen die Behandlungsdauer
verkürzt und stationäre Aufenthalte vermieden werden, gehört ebenso zu den positiven Aspekten wie die Qualitätssteigerung der Wundversorgung für schwer erreichbare Patienten im ländlichen Raum. Der Nutzen für das gegenwärtige Gesundheitssystem könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Dr. Wirsing. "Wenn wir im August kommenden Jahres die Ergebnisse unseres Projektes analysieren, werden wir sicherlich zu einem insgesamt positiven Ergebnis kommen und so die Grundlage geschaffen haben, um die telemedizinische Wundkonsultation möglicherweise in die landes- und bundesweite Regelversorgung zu überführen.“

Chefarzt Dr. Peter Wirsing begutachtet die gesendeten Bilder am Schirm und erstellt eine Diagnose.

Zuletzt wird die Wunde entsprechend der Diagnose von der Krankenschwester versorgt.