05.12.2017: Grippeimpfung nicht vergessen

Seit Oktober rufen Experten wie jedes Jahr zur Grippeimpfung auf. Wer bisher nicht geimpft ist, hat noch Zeit, die Impfung vornehmen zu lassen. Bislang ist die Grippeaktivität laut Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) gering. Auch in den vergangenen beiden Grippesaisons stieg die Influenzaaktivität erst ab Ende Dezember deutlich an.

"Ihren Höhepunkt erreichen die Grippewellen meist im Januar bis Februar“, erklärt Prof. Dr. Peter Wutzler von der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (DVV). "Vom Impftermin an dauert es ca. zwei Wochen, bis die schützende Wirkung einsetzt.“ Dies sollte, wenn es um den Impftermin geht, bedacht werden.
Kritiker der Impfung bemängeln, dass die Impfung nicht wirksam genug schützt. Tatsächlich betrug die Impfeffektivität in der Saison 2016/17 nur 21 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass Grippe-Viren nicht nur eine große Variabilität sondern auch eine hohe Mutationsrate aufweisen.

"Die WHO legt bereits im Frühjahr die Zusammensetzung des Impfstoffes für die kommende Influenzasaison auf der Nordhalbkugel fest, da der aufwendige Herstellungsprozess etwa sechs Monaten dauert“, so Wutzler. Bis zum Auftreten einer Influenzawelle können sich die zirkulierenden Influenzaviren soweit verändert haben, dass die nach der Impfung gebildeten Antikörper nicht optimal wirken. Diese Unsicherheit sollte aber kein Grund sein, sich gegen den Schutz durch eine Impfung zu entscheiden, betont der Virologe: "Auch wenn die Wirksamkeit der Grippeimpfung nicht optimal ist, können aufgrund der Häufigkeit der Influenza viele Erkrankungsfälle und schwere Verläufe verhindert werden“.

Wer sich jedes Jahr impfen lässt, kann die Effektivität der Impfung zudem positiv beeinflussen, meint Dr. Joanna Dietzel, Influenza-Expertin beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. "Menschen, die sich regelmäßig gegen Influenza impfen lassen, stärken ihr Immunsystem, eindringende Viren werden schneller erkannt,“ so Dietzel. Die jährliche Impfung habe einen sogenannten "Booster-Effekt“, das Immunsystem bekomme einen "Schubs“, sich nicht nur gegen die aktuellen Impf-Viren zu richten, sondern es könne sich auch an die Influenza-Viren der vergangenen Saisons erinnern. Wer sich regelmäßig gegen Grippe impfen lässt, so das Fazit, ist besser geschützt. Das zeigte auch eine im Jahr 2014 in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie.

Um das Risiko einer Influenza-Infektion weiter zu verringern, empfiehlt das Robert Koch-Institut zusätzlich zur Impfung regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife sowie Abstandhalten zu erkrankten Personen.

Zahlen zur Grippesaison 2016/17
Laut Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut suchten während der vergangenen Grippesaison etwa 6 Millionen Menschen wegen einer Influenza einen Arzt auf. Rund 3,4 Millionen Menschen mussten grippebedingt das Bett hüten, konnten nicht arbeiten gehen oder waren pflegebedürftig. 30.000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt hatte das Robert-Koch-Institut mehr als 113.000 Influenzafälle registriert, mehr als 675 davon verliefen tödlich. Besonders betroffen waren ältere Menschen ab 60 Jahren.
Quellenangabe: DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e. V. Ausgabe Nr. 11-12/2017 - veröffentlich am 05.12.2017