Geschlechtskrankheiten

Sexuell übertragbare Krankheiten sind alle infektiösen Erkrankungen, die beim Geschlechtsverkehr und anderen sexuellen Kontakten übertragen werden. Wichtig für das Verständnis dieser Erkrankungen ist die Tatsache, dass es sich in mehr als 80% der Fälle um Infektionen mit mehreren, verschiedenen Krankheitserregern handelt. Besonders in den Entwicklungsländern stellen Geschlechtskrankheiten ein Problem dar - dort sind sie die zweithäufigste Erkrankungsursache bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren dar. Während in Nord- und Westeuropa z.B. die Syphilis und Gonorrhö selten geworden sind, sind die Chlamydien nach wie vor weit verbreitet. Auch sexuell übertragene Viren sind weltweit ein großes Problem. Der folgende Artikel soll einen Überblick über die Symptome und Therapiemöglichkeiten der häufigsten Geschlechtskrankheiten geben.
Chlamydieninfektion
Anzutreffen sind Chlamydien bei der Frau häufig im Bereich des Gebärmutterhalses und seltener im Bereich der Harnröhre, beim Mann ebenfalls im Bereich der Harnröhre sowie in den Nebenhoden.

Die Häufigkeit liegt in Deutschland bei Frauen bei etwa 3-10%, bei Männern sogar noch höher. Prostituierte weisen zu ca. 30% Chlamydien auf. Häufig ist eine Chlamydieninfektion Ursache für eine spätere Unfruchtbarkeit.

Symptome:Über 90% aller Frauen mit Nachweis von Chlamydien in der Harnröhre sind völlig symptomfrei. Gelegentlich bestehen Harndrang, häufiges Wasserlassen oder Brennen beim Wasserlassen. Die Harnröhrenentzündung des Mannes geht mit einem durchsichtigen Ausfluss sowie mit Juckreiz und schmerzhaftem Brennen einher. Häufig führen erst die Beschwerden des Mannes zur Diagnosestellung.

Auch eine Infektion des Gebärmutterhalses ist möglich. Deren Symptome sind jedoch unspezifisch und nur gering ausgeprägt - bei höchstens der Hälfte aller Fälle kommt es zu einem schleimig-eitrigen Ausfluss. Steigen die Chlamydien auf, kann es zu einer Entzündung der Eileiter kommen (Salpingitis). Symptome hiervon können Fieber und Unterbauchschmerzen sein. Problematisch ist die Tatsache, dass hierdurch einer Verklebung der Eileiter entstehen kann, die schließlich zur Unfruchtbarkeit führt.

In gewissen Fällen wird sogar eine begleitende Entzündung der Leber (Perihepatitis) mit starken Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, eine begleitende Blinddarmentzündung oder eine begleitende Gelenkentzündung (selten) beobachtet.

Antibiotische Therapie:
  • 1. Wahl Doxycyclin
  • 2. Wahl Makrolide wie Erythromycin
  • 3. Wahl Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin

Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Ort der Infektion. Bei Entzündung des Gebärmutterhalses muss 10 Tage lang therapiert werden, bei Befall der Eileiter 20 Tage; ist ein Gelenk von der Entzündung betroffen, sollte die Therapie 30-90 Tage fortdauern.

Gonorrhö (Tripper)

Eine Übertragung ist ausschließlich durch Geschlechtsverkehr möglich, in der Regel nicht jedoch über die Toilette oder durch gemeinsame Benutzung von Handtüchern.

Bei mehr als der Hälfte aller Infektionen besteht gleichzeitig eine Ansteckung mit Chlamydien. Die Häufigkeit der Gonorrhö hat in den letzten Jahren abgenommen. 1995 betrug die Inzidenz (Zahl der Neuansteckungen) ca. 5 pro 100.000 Einwohner. Die Krankheit ist anonym meldepflichtig.

Symptome: Während beim Mann schon früh Symptome einer Harnröhrenentzündung zu beobachten sind, verläuft die sog. "untere Gonorrhö“ der Frau - bei der z.B. die Drüsen in Nähe der Harnröhrenmündung oder im Gebärmutterhals befallen sind - eher symptomarm, abgesehen von einem leichten Brennen beim Wasserlassen oder eines eitrigen Ausflusses.
Sind die Bartholin-Drüsen (im Bereich der großen Schamlippen liegend) infiziert, findet sich dort ein flohstichartiger, roter Punkt.
Die rektale Gonorrhö verläuft meist symptomlos.

Mit dem Aufsteigen der Infektion treten schwerwiegende Symptome auf: Es kommt zu Zeichen einer schweren, akuten Eileiterentzündung (Adnexitis) mit Fieber und Unterbauchschmerzen. Als Komplikation kann die Entzündung der Eileiter auch auf das Bauchfell mit der Folge einer Bauchfellentzündung übertreten. Nicht selten kommt es schließlich zu Verklebungen der Eileiter mit anschließender Unfruchtbarkeit.

Therapie:Penicillin in hoher Dosis. Alternative Antibiotika sind Amoxicillin, Doxycyclin oder Cephalosporine. Je nach Infektionsort variiert die Behandlungsdauer zwischen 3 und 10 Tagen.

Syphilis
Eine Ansteckung ist neben Geschlechtsverkehr auch durch Berührung entsprechender Hautausschläge des Erkrankten möglich. 1995 wurden in Deutschland ca. 1,4 neue Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet, wovon ein Drittel Frauen waren. Es besteht nicht-namentliche Meldepflicht.

Symptome:Bei fehlender Behandlung kann sich die Lues durch das ganze Leben hindurch ziehen. Man unterscheidet ein primäres, sekundäres und tertiäres Stadium.

Lues I: Nach ca. 3 Wochen entsteht an der Stelle der Kontaktinfektion (z.B. am Scheideneingang, im Innern der Scheide, im Mund oder im Rektum) der Primäraffekt, das sog. Ulcus durum ("harter Schanker“). Es handelt sich hierbei um ein schmerzloses Geschwür. Das Ulcus durum wird häufig von einer Anschwellung der Leistenlymphknoten begleitet.
Lues II: Ca. 9 Wochen nach Infektion dominieren (neben grippeähnlichen Symptomen) hauptsächlich Hauterscheinungen in Form von teils fleckförmigen, teils erhabenen und teils pustelartigen Hautausschlägen an der seitlichen Rumpfwand sowie in den Schenkelbeugen. Am Genitale finden sich häufig nässende Papeln oder Condylome (sog. "Condylomata lata“, aufgrund ihrer weißen Farbe). Sie bilden oft große Papelbeete.
Lues III: Nach einer beschwerdefreien Phase (ca. 2-5 Jahre) entstehen in der 3. Phase die sog. "Gummen“ - das sind entzündliche, geschwürartige Wucherungen, die an der Haut, in Organen, in Knochen, Blutgefäßen oder im Gehirn auftauchen können.

Weitere gefürchtete Spätmanifestationen sind die sog. Mesaortitis luica (eine Gefäßentzündung im Bereich der Hauptschlagader mit Gefahr der Aneurysmabildung) sowie die Neurosyphilis (hier kommt es zum Befall des Nervensystems mit Lähmungen, Schmerzanfällen und Reflexausfällen). Dieses letzte Stadium führt schließlich unbehandelt zur Demenz und zum Tode.

Therapie:Nach fachärztlicher Diagnostik erfolgt eine Therapie mit Penicillin G über ca. 3 Wochen. Um die geschilderten, schwerwiegenden Langzeitfolgen zu verhindern, muss eine möglichst frühe Diagnosestellung erfolgen.

Herpes genitalis

Während die Herpes-simplex-Viren Typ I für den Lippenherpes bekannt sind, verursachen die Typ II-Viren im Regelfall den genitalen Herpes. Eine besondere Problematik entsteht bei der Erstinfektion einer Schwangeren, da es während der Geburt zu einer Übertragung des Virus auf das Kind kommen kann, was wiederum mit einer hohen kindlichen Sterblichkeitsrate verbunden ist.

Wichtig zu wissen ist, dass das Herpesvirus nach einer einmaligen Infektion nicht mehr aus dem Körper entfernt werden kann, da es sich in spezielle Zellen des peripheren Nervensystems zurückzieht (in die sog. Sakralganglien), wo es für die Zellen des Immunsystems quasi unangreifbar ist. Von hier kann es durch verschiedene Ursachen (Infekte, Lungenentzündung, Grippe, Menstruation, körperlichen und psychischen Stress) immer wieder reaktiviert werden und erneut zu den typischen Hauterscheinungen (s.u.) führen.

Sypmtome:2-7 Tage nach der Erstinfektion kommt es im Bereich des Scheideneingangs und der Scheide zu einer Rötung und Schwellung und zur Bildung zahlreicher, flüssigkeitsgefüllter Bläschen, die sich durch schmerzhaftes Brennen und Jucken bemerkbar machen. Auch ein Scheidenausfluss kann beobachtet werden. Nach 1-2 Tagen platzen die Bläschen und führen zur Bildung flacher, schmerzhafter Hautgeschwüre. Meist ist auch ein Anschwellen der Leistenlymphknoten fühlbar. Nach 10-20 Tagen heilen die Hauterscheinungen wieder ab.

Therapie:Gabe des Medikaments Aciclovir (z.B. Zovirax).
Wird die Therapie im Rahmen der Erstinfektion früh genug begonnen, besteht eine Chance, die Ausbreitung der Viren auf die Ganglienzellen zu verhindern. Bei wiederholten Infektionen ist eine Eliminierung des Virus leider nicht mehr möglich.

Papillomavirus-Inektion
Erreger dieser Erkrankung sind die humanen Papillomviren (HPV). Die Viren können vermutlich nur durch Geschlechtsverkehr, möglicherweise auch durch Schmierinfektionen übertragen werden. Die Übertragung kann durch kleine Hautläsionen begünstigt werden.

Symptome:Die Infektion führt zu sog. "Condylomata accuminata“. Hierbei handelt es sich um warzenartige Wucherungen im Intimbereich, die bei entsprechendem, flächenhaftem Wachstum das optische Bild massiv entstellen können. Die Wucherungen können ggf. auch im Rektalbereich auftreten. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass die sog. "high risk“ Typen der humanen Papillomviren die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses fördern.

Therapie:Als einzige Möglichkeit bieten sich chirurgische Maßnahmen an, darunter insbesondere die Laserkoagulation, die ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt werden kann. Andere Formen der chirurgischen Behandlung wie z.B. Elektrokoagulation, die Entfernung mit dem scharfen Löffel oder die Vereisung hingegen können zu ausgeprägter Narbenbildung führen.

Vorbeugung:Seit einiger Zeit gibt es eine Impfung gegen HPV, die für Mädchen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren von etlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Wichtig: Bei sämtlichen Geschlechtskrankheiten muss der Partner immer mitbehandelt werden !
Weitere Links zu diesem Thema:
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  • Artikel auf Focus.de
    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/sexualitaet/risiko/g...
  • Onmeda.de
    http://www.onmeda.de/krankheiten/geschlechtskrankheiten/gesc...

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