Asthmatherapie – Krankheit verliert immer mehr ihren Schrecken

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Kindern macht es das Leben schwer, Eltern beschert es schlaflose Nächte: Asthma. Bis zu zehn Prozent aller Kinder leiden an asthmatischen Beschwerden, manche Kinderärzte gehen davon aus, dass gar etwa die Hälfte bis zum sechsten Lebensjahr mindestens eine so genannte „obstruktive Bronchitis“ durchgemacht hat.

Obstruktiv bedeutet, dass sich bei einer solchen Erkrankung die Atemwege verengen, wodurch oftmals die typischen Pfeifgeräusche beim Ausatmen entstehen. Spätestens dann muss ein Kinderarzt abklären, ob dies womöglich bereits Vorboten des Asthmas sind, bei dem die Obstruktion mit einer chronischen Entzündung der Atemwege einhergeht.

Auslöser

Insbesondere vorhandene Allergien könnten solche chronischen Entzündungen auslösen, betont Prof. Dr. Joachim Freihorst. Nicht verhehlen will er allerdings, dass Asthma sich mittlerweile zwar gut behandeln lasse, aber nach wie vor nicht ursächlich heilbar sei. Dennoch sieht der Chefarzt der Kinderklinik – im Gegensatz zu früher – positive Entwicklungen. „Noch vor 15 Jahren wurden asthmakranke Kinder vom Sportunterricht befreit. Sie sollten jegliche körperliche Anstrengung vermeiden. Heute ist klar: Körperliches Training verbessert die Lungenfunktion.“

Ziel seiner therapeutischen Arbeit ist, den erkrankten Kindern ein nahezu normales Leben zu ermöglichen. Asthma sei immer mit immunologischen Entzündungsvorgängen verbunden, gerade deshalb schlügen Cortisonpräparate so gut an. Die Bedenken von Eltern in Sachen Cortison sind dem Professor bewusst. „Viele befürchten mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Doch es gibt klare Therapierichtlinien und genaue Vorstellungen davon, wann und wie Cortison als Arzneimittel genutzt werden kann. Bei asthmaerkrankten Kindern wird das Präparat zur Entzündungshemmung eingesetzt, da sich so die Überempfindlichkeit
der Bronchien weitestgehend reduziert.“

Arzneimittel

Beim Inhalieren des Cortisons gibt es erfahrungsgemäß keine weitergehenden Auswirkungen auf den übrigen Organismus, da die Dosierung zu gering ist. „Niemand kann bis dato Asthma heilen“, wiederholt der Chefarzt. Nach wie vor gebe es kein geeignetes Medikament, das das Übel nachhaltig an der Wurzel packt. Gute Nachrichten hat dennoch Oberärztin Dr. Tamara Bäuerle, die darauf verweist, dass Kinder, die über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Cortison behandelt worden seien, nahezu beschwerdefrei lebten. „Werden jedoch die Präparate abgesetzt, kommen die Asthmasymptome wieder zurück.“

Gerade wegen der Diskussion um Cortison weiß sie um die Gefahr, dass Eltern die Behandlung abbrechen, trotz des Hinweises, dass moderne Cortisonmedikamente keine relevanten Nebenwirkungen aufwiesen. „Bei Asthma ist das Risiko einer Nichtbehandlung immer größer. Je früher behandelt wird, umso besser ist das betroffene Kind vor Langzeitschäden geschützt.“ Bäuerle erinnert daran, dass in weniger als der Hälfte aller Fälle Asthma im Laufe des Heranwachsens von selbst wieder vergeht. „Ein unbehandeltes Asthma verschlechtert sich hingegen zusehends, da es sich eben um eine fortschreitende Entzündung der Atemwege handelt und mit der Zeit Umbauvorgänge in der Lunge einsetzen.“

Bei der medikamentösen Behandlung setzt sie auf das Prinzip „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Deshalb müssten sowohl Kinder als auch Eltern lernen, den jeweiligen Zustand der Bronchien einzuschätzen, um sich entsprechend anzupassen. Die dafür notwendigen Kenntnisse vermittelt die Klinik in ihrer Asthmaschulung, in der Bäuerle als Asthmatrainerin fungiert.

Umgang mit Medikamenten und Sprays

Zu ihrem Team gehören Physiotherapeuten, Kinderkrankenschwestern, Erzieherinnen, Ärzte und Sozialpädagogen. Gemeinsam haben sie für die Schulung feste Strukturen und Regeln erarbeitet, die Kinder bei einem dreitägigen und die Eltern bei einem zweitägigen Training erlernen. Dies versetzt Eltern und, je nach Alter, betroffene Kinder in die Lage, mit den Symptomen des Asthmas umzugehen und gegebenenfalls rechtzeitig Medikamente oder Sprays einzusetzen.
„Unerlässlich ist allerdings, dass die Patienten einmal je Quartal den Kinderarzt aufsuchen, um Therapieerfolge zu überprüfen. Einmal im Jahr sollten zudem umfangreichere Untersuchungen der Lungenfunktionen vorgenommen werden, beispielsweise wie sie in der Asthma-Ambulanz der Kinderklinik angeboten werden“, so Prof. Freihorst, der zugleich auf den engen Zusammenhang von Asthma und Allergien sowie auf die Möglichkeit zur Hyposensibilisierung speziell bei Pollenallergien verweist.

„Das A und O ist bei Erwachsenen wie Kindern, Asthma frühestmöglich zu erkennen und zu behandeln. Nur so lassen sich besonders bei Säuglingen und Kleinkindern Komplikationen und eventuelle Spätfolgen verhindern.“ Dr. Bäuerle gibt noch zu bedenken, dass gerade bei Kindern die Diagnose schwieriger sei als bei Erwachsenen, da einige Messmethoden bei unter Vierjähren nicht angewandt werden könnten. „Umso bedeutender ist das direkte Gespräch mit den Eltern, bei dem es um Ursachenforschung ebensowie um einen konkreten Stufenplan für eine notwendig werdende Therapie geht .“